Wer sich mit Laserschneidern oder Lasergravurmaschinen beschäftigt, stößt früher oder später auf Begriffe wie „Laserklasse 1“ oder „Laserklasse 4“. Doch was bedeuten diese Einstufungen eigentlich und warum setzen Hersteller wie xTool, Epilog oder Lotus Laser auf unterschiedliche Konzepte?
In diesem Beitrag erklären wir die wichtigsten Laserklassen, zeigen die Unterschiede zwischen offenen und geschlossenen Systemen und beleuchten die Vor- und Nachteile der jeweiligen Sicherheitskonzepte.
Was sind Laserklassen?
Laser werden nach internationalen Sicherheitsstandards in verschiedene Klassen eingeteilt. Die Klassifizierung beschreibt nicht die Leistungsfähigkeit des Lasers, sondern das Risiko für Augen und Haut bei der Nutzung.
Je höher die Laserklasse, desto größer sind die Sicherheitsanforderungen für den Betreiber.
Laserklasse 1
Laser der Klasse 1 gelten bei normaler Nutzung als sicher. Der eigentliche Laser kann dabei durchaus sehr leistungsstark sein, befindet sich jedoch in einem vollständig geschlossenen Gehäuse. Der Nutzer kann während des Betriebs nicht mit dem Laserstrahl in Kontakt kommen.
Typische Beispiele:
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Moderne Lasercutter mit geschlossener Einhausung
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Laserdrucker
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CD- und DVD-Laufwerke
Laserklasse 2
Klasse-2-Laser arbeiten mit sichtbarem Licht und geringer Leistung. Kurzzeitiges Hineinsehen wird durch den natürlichen Lidschlussreflex begrenzt. Diese Klasse findet man häufig bei Laserpointern oder Messgeräten.
Laserklasse 3R und 3B
Diese Laser können bereits gefährlich für die Augen werden. Direkter Blickkontakt mit dem Strahl muss unbedingt vermieden werden. Im Bereich der Laserbearbeitung spielen diese Klassen eher eine untergeordnete Rolle.
Laserklasse 4
Klasse-4-Laser sind die gefährlichsten Lasersysteme. Direkte sowie reflektierte Strahlen können Augen und Haut schädigen. Zusätzlich besteht Brandgefahr durch die hohe Energiedichte. Deshalb sind Schutzmaßnahmen wie Laserschutzbrillen, Schulungen und kontrollierte Arbeitsbereiche erforderlich. Unternehmen müssen außerdem spezifische Anforderungen erfüllen. So kann es erforderlich sein, einen Laserschutzbeauftragten im Unternehmen zu bestellen.
Welche Laserklassen nutzen die Hersteller?
xTool
xTool hat in den letzten Jahren besonders den Hobby- und Bildungsmarkt geprägt. Viele aktuelle Geräte wie der xTool S1 oder spezielle Versionen des xTool P2S oder P3 werden als Klasse-1-Systeme angeboten. Die leistungsstarken Laser befinden sich dabei innerhalb eines geschlossenen Gehäuses mit entsprechendem Schutzglas, wodurch die Bedienung deutlich sicherer wird.
Interessant ist, dass einige Geräte technisch betrachtet einen Klasse-4-Laser enthalten, durch die Einhausung jedoch als Klasse-1-Gesamtsystem zertifiziert werden können. Wird die Einhausung entfernt oder eine offene Betriebsart aktiviert, gelten die Anforderungen der Klasse 4.
Zudem gehören einige Geräte wie der xTool F2 Ultra, der xTool F2 Ultra UV oder der xTool MetalFab immer der Laserklasse 4 an. Hier gilt es, die entsprechenden Schutzmaßnahmen zu beachten.
Epilog Laser
Epilog setzt bei seinen professionellen Lasersystemen standardmäßig auf geschlossene Maschinen. Die Geräte werden üblicherweise als Klasse-2-Systeme ausgeliefert, da sie einen sichtbaren Positionierungslaser verwenden. Der eigentliche Bearbeitungslaser ist jedoch vollständig abgeschirmt. Ein Umbau in Laserklasse 1 ist jedoch möglich.
Für bestimmte Anwendungen bietet Epilog spezielle Umrüstsätze an, mit denen Funktionen wie Durchreiche-Systeme aktiviert werden können. In diesem Fall wird die Maschine zu einem Klasse-4-System und unterliegt deutlich strengeren Sicherheitsanforderungen.
Lotus Laser Systems
Lotus Laser richtet sich vor allem an professionelle Anwender, Schulen und industrielle Betriebe. Die meisten CO₂-Lasersysteme werden als vollständig geschlossene Sicherheitslaser angeboten und erfüllen die Anforderungen für einen sicheren Betrieb in Werkstätten und Bildungseinrichtungen. Während die verbauten Laserquellen häufig der Laserklasse 4 entsprechen, wird das Gesamtsystem durch die Einhausung als sichere Maschinenlösung in Laserklasse 2 betrieben.
Warum überhaupt Klasse-4-Laser verwenden?
Auf den ersten Blick scheint Klasse 1 die bessere Wahl zu sein. Tatsächlich gibt es jedoch Situationen, in denen Klasse-4-Systeme Vorteile bieten.
Vorteile von Laserklasse 4
Größere Werkstücke bearbeiten
Offene Systeme ermöglichen die Bearbeitung von Materialien, die größer als die Maschinenarbeitsfläche sind.
Mehr Flexibilität
Rundgravuren, Förderbandsysteme oder Sonderanwendungen lassen sich einfacher integrieren.
Industrieanwendungen
In Produktionsumgebungen sind offene Systeme oft effizienter und besser automatisierbar.
Nachteile von Laserklasse 4
Höheres Sicherheitsrisiko
Direkter oder reflektierter Laserstrahl kann schwere Augenschäden verursachen.
Schutzmaßnahmen erforderlich
Laserschutzbrillen, Warnschilder und geschulte Bediener sind Pflicht.
Höhere Verantwortung für den Betreiber
Je nach Land und Einsatzgebiet können zusätzliche Sicherheitsvorschriften gelten.
Warum Laserklasse 1 für viele Anwender die beste Wahl ist
Für Maker, Schulen, Kreativwerkstätten und kleine Unternehmen bietet ein Klasse-1-System meist die beste Kombination aus Sicherheit und Leistung.
Die heutigen Klasse-1-Lasercutter von Herstellern wie Epilog oder Lotus enthalten oft dieselbe Lasertechnologie wie professionelle Industriemaschinen. Der entscheidende Unterschied liegt in der sicheren Einhausung und den integrierten Schutzmechanismen. Dadurch können Anwender leistungsstarke Laser nutzen, ohne die umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen eines offenen Klasse-4-Systems umsetzen zu müssen.
Fazit
Die Laserklasse sagt nicht aus, wie leistungsfähig ein Lasercutter ist, sondern wie sicher er im täglichen Betrieb genutzt werden kann.
Für die meisten Anwender sind moderne Klasse-1-Systeme die beste Wahl. Sie bieten hohe Leistung bei maximaler Sicherheit. Klasse-4-Systeme spielen ihre Stärken dagegen in industriellen Anwendungen aus, bei denen maximale Flexibilität und große Werkstücke im Vordergrund stehen.
Wer einen Lasercutter anschafft, sollte deshalb nicht nur auf Wattzahlen und Arbeitsfläche achten, sondern auch die Sicherheitsklasse in seine Kaufentscheidung einbeziehen.